28 September 2010

Reiseinfo

Es gibt hier doch keine Möglichkeit, ein Dokument raufzuladen. Daher kommen hier die Reiseinfos in einem eigenen Post, auch wenn der dadurch sehr lange wird:

KURZBESCHREIBUNG DES „DORF TIROL“ IM BANAT (für die Mitreisenden)

Ein kleines, unscheinbares Dorf in einem weiten Tal , das zu den Ausläufern des Banater Berglandes zählt, wird Tirol genannt. Unter „Banat“ versteht man die Landschaft zwischen den Flüssen Theiß, Maros und Donau sowie den Südkarpaten.
Rund 1.200 Kilometer vom ursprünglichen Namengeber, dem Land Tirol, entfernt, fristet die heutige rumänische Ortschaft ein kümmerliches Dasein im Dreiländereck Rumänien, Serbien und Ungarn. Gegenwärtig zählt Tirol etwa 600 Einwohner; die meisten von ihnen sind Rumänen, gefolgt von Kroaten und Deutschstämmigen. Darüber hinaus bereichern aber auch Ungarn, Serben, Roma und Sinti das friedlich zusammenlebende Vielvölkergemisch.
Doch zunächst ein kurzer Blick zurück in die Geschichte des Dorfes Tirol. Nach der blutigen Niederschlagung der Tiroler Volkserhebung im Spätherbst 1809 mussten sich die Anführer entweder verstecken oder das Land verlassen. Josef Speckbacher etwa zog sich nach Wien zurück, wo er vom Kaiser Franz die Möglichkeit geboten bekam, im äußersten Osten des Reiches eine Kolonie für etliche Tiroler Flüchtlinge zu gründen. Dies geschieht dann auch im August 1810 mit der Bezeichnung „Tirol“. Nach Beendigung der notwendigsten Aufbauarbeiten folgte im September 1812 die Einweihungsfeier, nun unter dem Ortsnamen „Königsgnade“. Nach dem Sturz Napoleons und der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress (1813 / 14) beschließen zahlreiche Tiroler Familien, den Ort wieder zu verlassen – in Königsgnade verbleiben lediglich 22 Familien. Darauf hin nehmen andere Banater Berglanddeutsche und etliche Ungarn die leeren, fast neuen Häuser und Gehöfte in Besitz. 1888 werden zahlreiche Ortsbezeichnungen im Banat, das zum ungarischen Teil des Habsburgerreiches zählt, ins Ungarische übertragen. Königsgnade wird fortan „Kiralykegye“ genannt und erhält 1909 Anschluss an das Eisenbahnnetz. Zu diesem Zeitpunkt erreicht Tirol seine Blütezeit mit 1.556 Einwohnern (welche bis heute auf über die Hälfte geschrumpft ist). Nach der Niederlage Österreich-Ungarns 1918 wird der größere Teil des Banats an Rumänien angegliedert und 1927 die ungarischen Namen abgeschafft. Kiralykegye erhält wieder die ursprüngliche Bezeichnung „Tirol“. Zwischen 1945 und 1950 müssen alle arbeitsfähigen, deutschstämmigen Bewohner Rumäniens zum Arbeitsdienst in die Sowjetunion; 104 junge Menschen aus Tirol werden verschleppt, 21 von ihnen sterben an den Folgen der Deportation in die Arbeitslager Russlands. Der sowjetische Kommunismus verändert zudem ab 1945 die Lebensbedingungen für die vorwiegend landwirtschaftliche Bevölkerung Tirols einschneidend. Weitere 71 Bewohner verschleppen die Behörden zwischen 1951 und 1956. Die Revolution von 1989 endete mit dem Sturz des kommunistischen Regimes unter Nicolae Ceaucescu, in Europa mit großer Anteilnahme verfolgt. Nun kam erst so richtig das unvorstellbare Elend der rumänischen Bevölkerung ans Licht – eine unglaubliche Welle von Hilfsbereitschaft aus dem Westen war die Folge. In diesem Zusammenhang riefen beherzte Männer aus Nordtirol die Aktion „Tirol hilft Tirol“ ins Leben und leisteten von Innsbruck aus, gemeinsam mit dem Bauernbund, der Caritas, der Landwirtschaftskammer und der Politik ab 1990 beachtliche Hilfen für das vergessene Tirol in Rumänien, dem sich in kleinerem Rahmen auch Südtirol anschloss. Trotzdem wanderte nach der Lockerung der Grenzen ein großer Teil der deutschstämmigen Bevölkerung Rumäniens (und Tirols) nach Deutschland aus. Missionsschwestern vom Kostbaren Blut aus dem Kloster Wernberg in Kärnten gründen 1993 eine Sozial- und Pastoralstation (Casa Maicilor) in Tirol, um sich im Sinne christlicher Nächstenliebe dem Aufbau eines Miteinander und Füreinander zu widmen. Denn die oft überstürzt verlassenen Häuser der deutschen Bewohner füllten sich rasch mit zugewanderten Rumänen, denen es an allem fehlt. Um der Bildung, der Dorfgemeinschaft und der Geselligkeit – neben der bestehenden achtklassigen Volksschule – eine würdige Heimstatt zu geben, setzten sich die Schwestern für den Bau des Bildungshauses Sf. Ana / St. Anna ein; kräftige Unterstützung erhielten sie dabei von der Aktion „Tirol hilft Tirol“ und privaten Gönnern sowohl in Form von Geldspenden als auch ehrenamtlicher Arbeitseinsätze. Am 17. Oktober 1998 konnte dieses Bildungshaus eingeweiht werden und wird seitdem regelmäßig benützt. So trafen sich dort die Musik- und die Volkstanzgruppe zum Üben, es wurden Deutschkurse, Bastelnachmittage, Spielstunden und zwischendurch Fortbildungen für Erwachsenen und Jugendliche durchgeführt. Ebenso fanden und finden Feste statt: Traubenball, Kathreinball, Faschingsball, Senioren- und Kinderfeste (Nikolaus- und Adventfeiern, Kinderfasching…). Und schließlich berieten sich verschiedene Arbeitsgruppen in diesem Bildungshaus (etwa der Sozial- und Kulturarbeitskreis). Leider gingen und gehen viele junge Leute aus Tirol weg, da im Dorf und der näheren Umgebung kaum Arbeitsplätze zur Verfügung stehen; darunter litt die Gemeinschaft, so dass gar einige dieser Vereinigungen (so die Volkstanzgruppe) heute nicht mehr bestehen. Dazu kam, dass der schulische Deutschunterricht, viele Jahre lang von der Tiroler Landesregierung ermöglicht, vor drei Jahren eingestellt werden musste. Dies auf Grund der sinkenden Lebensqualität, die kein Lehrer aus dem Bundesland Tirol mehr auf sich zu nehmen bereit ist. Die nachteilige Altersstruktur bedingt nicht nur eine kulturelle Verarmung sondern auch einen drastischen wirtschaftlichen Abstieg der Dorfgemeinschaft und medizinische Probleme. Trotz sporadischer Hilfslieferungen aus Tirol, Südtirol, Österreich und Deutschland (Kleidung, Medikamenten, Gebrauchsgütern, Geld…) steigt das Elend der Bevölkerung an und so fühlt sie sich heute „am Ende der Welt“ gelegen, wie es Schwester Gertrud, die Leiterin des Schwesternhauses, formuliert. Überhaupt kümmern sich die vier geistlichen Schwestern aufopferungsvoll mit den kargen, zur Verfügung stehenden Mitteln um die geistlichen, medizinischen, sozialen, kulturellen und sprachlichen Belange der alternden Menschen dort.
Gerade darum freuen sich die Leute aller Sprachgruppen im Dorf Tirol über Spenden jeglicher Art und Besuche aus dem deutschen Kulturraum. Diese sind jedoch recht selten, da es in Tirol keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt und das Dorf selbst kaum „Sehenswürdigkeiten“ anbieten kann. Ganz im Gegenteil, die „Verwahrlosung“ (Straßen, Häuser, Friedhof, Wasserver- und entsorgung…) schreckt eher ab.
Vielleicht können die kleinen Feiern zum 200-jährigen Bestand (mit unserer Teilnahme) einen Umschwung einleiten, sodass es wieder etwas aufwärts geht; der Leid geprüften Bevölkerung von Dorf Tirol im Banat wäre es von Herzen zu wünschen!

Noch eine kurze Information zu RESCHITZA:
Es handelt sich um eine Bergbaustadt (Kohlegewinnung), die bereits ins Mittelalter zurückreicht. Als Österreich 1718 die Herrschaft über die Region gewann, erlebte der Bergbau eine Blütezeit. Über 200.000 so genannte Banater Schwaben besiedelten das Gebiet und es kam zu einer gewaltigen Modernisierung von Bergbau, Metallverarbeitung und Transportwesen. Reschitza entwickelte sich unter den Habsburgern zu einer der wichtigsten Industriestandorten Europas. Heute erinnert in der zersiedelten Stadt wenig an diese Zeit, die technologische Entwicklung stand im Vordergrund und der einstige Charme der österreichischen Stadt ist Großteils verschwunden.

Beachtenswert ist, was das Deutsche Forum unter der Leitung von Dr. Tigla für die deutschstämmige Bevölkerung der Stadt und des ganzen Banat leistet – und wie vielfältig das jährliche deutsche Kulturprogramm ist. Lasst Euch überraschen….

Beitrag für die Tageszeitung „Dolomiten“ über das „DORF TIROL IM BANAT“

Im Dreiländereck Rumänien, Serbien und Ungarn liegt eine kleine, unscheinbare Ortschaft: Tirol! Rund 1.200 Kilometer von unserer Heimat entfernt, fristen heute etwa 600 Einwohner (Rumänen, Kroaten, Deutsche, Ungarn, Serben, Roma und Sinti) ein kümmerliches Dasein.
Vor genau 200 Jahren gründeten Flüchtlinge nach der Niederschlagung der Tiroler Volkserhebung vom Herbst 1809 am damals östlichen Rand des Habsburgerreiches –dem so genannten Banat (die Landschaft zwischen Theiß, Maros, Donau und den Südkarpaten) – das Dorf Tirol. 1888 erhält der nunmehr Königsgnade genannte Ort die ungarische Bezeichnung Kiralykegye. Knapp 20 Jahre später, mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz, erlebt das Dorf seine Blütezeit und erreicht 1.556 Einwohner. Es „exportiert“ nicht nur einen weitum geschätzten Wein, sondern auch Produkte aus der professionell betriebene Seidenraupenzucht, Milcherzeugnisse, Weizen, Sonnenblumenöl und Fleisch.
Nach der Niederlage Österreich-Ungarns 1918 kommt der größere Teil des Banat zu Rumänien – und damit auch Kiralykegye, das ab 1927 wieder den Namen Tirol erhält.
Die folgenden Jahrzehnte (Weltkrieg, Verschleppungen in die sowjetischen Arbeitslager, Minderheitenfeindlichkeiten, Kommunismus) bringen eine zunehmende Verarmung der Dorfbewohner, der deutschstämmigen Bevölkerung des Banat und allgemein der unterschiedlichen Nationalitäten in Rumänien.

Die Revolution von 1989 fegt den rumänischen Diktator Ceaucescu hinweg und offenbart erst das unvorstellbare Elend der Bevölkerung. Eine gewaltige Welle von Hilfsbereitschaft aus dem Westen setzt ein; auch von Innsbruck aus leistet die Aktion „Tirol für Tirol“ ab 1990 beachtliche Hilfen für das vergessene Tirol in Rumänien, dem sich in kleinerem Rahmen auch Südtirol anschloss. Trotzdem wandern nach der Lockerung der Grenzen ein großer Teil der deutschen Bevölkerung Rumäniens (und Tirols) nach Deutschland aus.
Missionsschwestern aus Kärnten gründen 1993 eine Sozial- und Pastoralstation, veranlassen den Bau des Bildungshauses Sf. Ana / St. Anna und kümmern sich aufopferungsvoll mit den kargen zur Verfügung stehenden Mitteln um die geistlichen, medizinischen, sozialen und kulturellen Belange der verarmten und alternden Menschen in Tirol. Durch die Krise bei uns versiegten die Möglichkeiten und die Spendenbereitschaft ließ stark nach. Die Tiroler Bevölkerung ist durch die hohe Arbeitslosigkeit, die mangelnde medizinische Betreuung und die Abgelegenheit aber auch weiterhin von Unterstützungen abhängig. Lassen wir nicht zu, dass die Menschen im Ort mit dem Namen unserer Heimat in ihrem traurigen Schicksal das Gefühl von gänzlicher Verlassenheit bekommen.

Zum 200. Jahrestag der Grundsteinlegung des Dorf Tirol, einem sehr bescheidenen Fest am 3. Oktober, ist folgendes Programm vorgesehen: Trachteneinzug mit Kulturgruppen aus Bokschan und Reschitza (Banat), aus Tirol und Südtirol. Anschließend Heimatmesse in der „Maria Geburt- Kirche“ von Dorf Tirol und Festvortrag von Alt-Landeshauptmann- Stellvertr. Ferdinand Eberle / Innsbruck sowie Weihe der Gedenkplatte zum Jubiläum. Schließlich festliches Kulturprogramm mit den vier beteiligten Gruppen. Die Bürgermeister - Musikkapelle aus dem Tiroler Unterland und die Volkstanzgruppe Oberbozen, verstärkt durch Tanzpaare aus dem Passeier-, Wipp- und Pustertal, aus Kirchberg, Hall und Murnau / Bayern werden dazu einen kulturellen und menschlichen Gruß aus der einstigen Heimat überbringen. Im Gepäck dabei sein werden nicht nur die jeweiligen Trachten, sondern auch Medikamente, Verbandsmaterial… und Zeit für Gespräche.

Diese kleine Feierlichkeit findet im Rahmen der „20. Deutschen Kulturdekade im Banater Bergland“, durchgeführt vom rührigen deutschen Kultur- und Erwachsenenverein in Reschitza, statt, welche vom 1. bis zum 10. Oktober mit insgesamt 53 Veranstaltungen in Erscheinung tritt. Es ist dies ein beredtes Zeichen der kulturellen Lebendigkeit einer ehemals starken, nunmehr aber zur kleinen Minderheit geschrumpften, deutschen Volksgruppe im südwestlichen Teil Rumäniens.

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