Er erzählte auch einiges über die ziemlich triste Situation in Rumänien. Die EU hat Reisefreiheit gebracht, aber wirtschaftlich ging es seither bergab. Rumänien ist für große Konzerne ein weiterer Markt und wird mit Produkten überschwemmt. Die sind meist billiger, als kleine Hersteller im Land anbieten können. Daher sperren die der Reihe nach zu. Außerdem gibt es auch in Rumänien Sparpakete.
Das ganze hat aber nicht weinerlich geklungen, oder daß er extra Mitgefühl erzeugen wollte. Er erzählte halt, wie die Situation für sie sei. Er meinte auch, daß die Rumänen gelernt haben, sich durchzuwurschteln und es für die meisten doch irgendwie geht.
Positiv erzählte er über den Banat, daß da seit Jahrhunderten bis zu 18 verschiedene Kulturen beieinander leben, ohne daß sie jemals einander bekämpft haben. Es ist ein Europa im Kleinen, das vielleicht als Beispiel dienen könnte.
Danach fuhren wir mit einer alten Straßenbahn in eine Schule. Eine der Lehrerinnen dort singt im Chor und im Gespräch mit Klaus sind sie darauf gekommen, daß wir die Schule besuchen könnten. Es gibt auch deutschsprachige Klassen, in denen der gesamte Unterricht in Deutsch ist.
Zuerst hat es geheißen, daß wir 1, 2 dieser deutschsprachigen Klassen besuchen könnten. Als beim nächsten Mal - gestern - darüber geredet wurde, hieß es, daß wir auch für die anderen Schüler interessant sein könnten. Also sollten wir ihnen etwas vortanzen. Es wären so an die 160 Schüler.
Heute hieß es dann, daß die Schule 700 Schüler hat! Also ist aus einem kleinen Besuch eine riesen Sache geworden. Wir wurden von der Direktorin begrüßt, haben kurz in 2 der deutschsprachigen Klassen geschaut, wo Klaus, der Lehrer ist, gleich ein bißchen die Kinder abgefragt hat - aber mit einem gewissen Schmäh, also nicht ganz ernst gemeint.
Einige Kinder der Resita-Volkstanzgruppe gehen auch in diese Schule. Mit ihnen haben wir 3 Tänze geübt und dann wollten die Burschen gerne platteln lernen. Klaus hat ihnen den ersten Teil eines Plattlers (zur Kreuzpolka) gezeigt, aber es war nicht genug Zeit, um ihn richtig zu lernen. Aber einige der Kinder stellten sich sehr geschickt an und haben ihn halbwegs zusammengebracht.
Wir einigten uns auf ein kurzes Programm und marschierten mit einem schnellen Auftanz in den Schulhof ein. Natürlich mit Livemusik auf der Ziehharmonika, aber verstärkt per Mikrophon. Erstaunlich viele Schüler schauten interessiert zu. Auch aus dem Fenstern des Gebäudes.
Ein paar wenige wollten sich lustig machen, aber ihr Lachen wirkte aufgesetzt. Aber ich denke, daß es für die Schüler, die bei der Tanzgruppe dabei sind, nicht so leicht ist - vor allem für die älteren. Das Tanzen macht ihnen zwar Spaß, aber das dürfen sie nicht zeigen. Das ist ja uncool und sie setzen sich Hänseleien aus oder gar Ablehnung. So haben auch einige mit sehr unbeteiligtem Gesicht getanzt. Bei den jüngeren waren schon welche dabei, die auch gelächelt haben und denen man ansehen konnte, daß es ihnen Spaß machte.
Wir haben 2 Tänze gemeinsam gemacht, dann die Schüler einen und wir einen - natürlich wieder den Tiroler Figurenlandler, der einige kompliziertere Figuren hat, 2x Platteln, und zeigt, wie der Bursch das Dirndl umwirbt und schlußendlich gewinnen kann. Er erzählt fast eine Geschichte während des Ablaufs. Der ist daher fürs Publikum gut zum Anschauen, da sich einiges tut.
Wir bekamen auch viel Applaus und setzten noch einen drauf, indem jeder einen Schüler holte und wir gemeinsam tanzten.
Danach bedankte sich die Direktorin sehr. Sie meinte, daß wir gezeigt hätten, wie Musik und Tanz über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg verbinden können.
Klaus sprach sie auch auf eine Schulpartnerschaft oder gemeinsames Projekt an. Sein Direktor hat an sowas Interesse bekundet. Also entwickelt sich da vielleicht auch noch eine Verbindung.
Auf dem Heimweg gab es noch kurz die Gelegenheit, ein paar Mitbringsel zu besorgen. Bisher hatten wir nichts Entsprechendes finden können. Resitsa ist überhaupt nicht touristisch. Aber wir hatten den Tip für ein Keramikgeschäft bekommen. Das hatte zu und nur ein kleiner Stand davor bot ein paar Sachen an, hauptsächlich aus Holz. Es war aber nichts dabei, was wirklich besonders wäre, was man nicht so leicht wo anders bekommt oder wirklich typisch für Resita gewesen wäre. Ein paar der Tiroler fanden schon nette Sachen für sich, aber ich hab nichts gefunden.
Am Nachmittag fuhren wir nochmal etwas außerhalb von Resita zu einem Mineralienmuseum. Es war schön, noch ein bißchen mehr von dem Bergland zu sehen. Das Museum ist klein, birgt aber einige Schätze - unter anderem übermannsgroße Steine mit Kristallen auf der Innenseite.
Auf dem Heimweg machten wir noch einen kurzen Abstecher zu einem Kloster, aber dann mußten wir schon zurück - Gepäck nach unten bringen, Essen gehen und dann die große Verabschiedung.
Die 12 Tiroler und 1 Bayer fuhren um 20:15 mit einem Kleinbus, den Herr Tigla noch für uns organisiert hatte, nach Arad ab. So ersparen sie sich 2 Mal umsteigen und kommen besser und bequemer mit dem Gepäck zum Zug. Die Fahrt dauert geschätzt 4 Stunden und um 2 soll der Nachtzug abfahren, falls er nicht wieder verspätet ist.
Klaus, Helga und ich haben unsere Zimmer noch eine Nacht länger, aber morgen müssen wir früh raus. Der Zug nach Bukarest fährt um 6:13 ab.
Wir haben beschlossen, daß wir Herkulesbad auslassen und gleich nach Bukarest fahren. Wir kommen gegen 1 oder 2 an und am nächsten Tag fährt der Zug nach Istanbul nach 12 ab. So haben wir zirka 1 Tag, um ein bißchen was von Bukarest zu sehen.
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